Aluminium ist das perfekte Material für Espressokocher

Als der Italiener Alfonso Bialetti im Jahr 1933 seinen ersten Espressokocher aus Aluminium herstellte, galt das Leichtmetall als äußerst modern – genauso wie das kraftvolle Koffein. Aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften werden italienische Kaffeemaschinen noch heute aus Aluminium hergestellt.

Mit Koffein und Aluminium verband man Anfang des 20. Jahrhunderts eine Reihe gemeinsamer Vorstellungen. Beide standen für Leichtigkeit, Geschwindigkeit, Stärke, Energie und für einen schnellen und modernen Lebensstil. Dies bewirkte den grandiosen Erfolg von Bialettis Kaffeemaschine.

Aluminium ist das häufigste Metall in der Erdkruste. Doch weil es fast ausschließlich in gebundener Form vorkommt, ist es erst seit etwa 200 Jahren bekannt. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war die Herstellung von Aluminium noch so neu und kompliziert, dass das unedle Metall teurer als Gold war.

Aluminium teurer als Gold

Doch innerhalb weniger Jahrzehnte machte eine Reihe von europäischen Forschern die Produktion von Aluminium immer effizienter. Im Jahr 1889 entwickelte Carl Josef Bayer schließlich das nach ihm benannte Bayer-Verfahren zur Aluminiumherstellung, nach dem das silberweiße Metall noch heute großtechnisch hergestellt.

In den 30er Jahren fand in Italien ein riesiger Werbefeldzug für Aluminium statt. Darin wurden die beiden entscheidenden Vorteile des Metalls benannt: Es ist sehr leicht und es rostet nicht. Zudem ist Aluminium ein hervorragender Hitzeleiter. Im Jahr 1931 schrieb eine italienische Zeitung:

„Erkennen Sie, dass ein neuer und entscheidend wichtiger Protagonist im wirtschaftlichen Leben der Nation aufgetaucht ist: Aluminium. Ein italienisches Metall, wegen dessen reichhaltiger Vorkommen uns die ganze Welt beneidet.“

„Aluminium wird uns ganz sicher ermöglichen, den Import anderer Metalle auf ein Minimum zu reduzieren. Dadurch wird das Vaterland von den lästigen Tributen befreit, die bis heute vom Ausland erhoben werden.“

Es ist die Zeit des italienischen Faschismus unter „il Duce“ Benito Mussolini, der im Jahr 1922 mit dem Marsch auf Rom die Macht in Italien übernahm. Der Blog I Need Coffee zitiert dessen Bruder Arnoldo Mussolini mit den Worten:

„Genau wie das 19. Jahrhundert das Jahrhundert des Eisens, schwerer Metalle und des Kohlenstoffs war, so sollte das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der leichten Metalle, der Elektrizität und des Petroleums sein. Im Verlauf der Geschichte dienen Erfindungen manchmal als Wohltaten für die Völker. Wenn wir [Italiener] kein Eisen haben, wir haben Aluminium.“

Neben der Hoffnung auf wirtschaftliche Unabhängigkeit betrachteten die Italiener das Aluminium als geeignet für den geschickten italienischen Facharbeiter. In einem Artikel aus dem Jahr 1932 heißt es:

„Wir sind versucht, dem Aluminium die Latinität zuzusprechen, da kein anderes Metall so gut zum Temperament der latinischen Völker und vor allem zum italienischen Volk passt.“

Italienische Kaffeemaschinen aus Aluminium verfeinern den Espresso

Dem Erfinder des Espressokochers, Alfonso Bialetti, gelang die Verbindung des beliebten Aluminium mit dem ebenfalls beliebten starken Espresso. Mit einem genialen Marketing eroberte Bialettis italienische Kaffeemaschine erst Italien und dann die ganze Welt.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Espresso ein italienischen Nationalgetränk, das in den Bars des Landes konsumiert wurde. Doch erst die „Moka Express“ von Bialetti machten es möglich, dass die Italiener sich auch zuhause einen kraftvollen Kaffee kochen konnten.

Einige Konkurrenten und sogar die Erfinder-Firma Bialetti selbst haben auch Maschinen aus rostfreiem Stahl auf den Markt gebracht. Doch bei der „Moka Express“ hält Bialetti unverändert am Aluminium fest und sagt, das leichte Metall verbessere die Qualität des Kaffees.

Angeblich verbessern Kaffeerückstände von früheren Zubereitungen den Geschmack. Deshalb sollte man die Bialetti auch nur leicht mit warmem Wasser reinigen.