Wie Alfonso Bialetti den Espressokocher erfand

Im Jahr 1933 schuf Alfonso Bialetti die erste italienische Kaffeemaschine, mit der man zuhause auf dem eigenen Herd einen italienischen Espresso zubereiten konnte. Die legendäre Maschine aus Aluminium nannte er „Moka Express“. Sie hielt im Verlauf der Jahrzehnte Einzug in 90 Prozent der italienischen Haushalte und hatte entscheidenden Einfluss auf die Kaffeekultur des Landes.

Vor Bialettis Erfindung tranken die Italiener ihren Kaffee vor allem in der Öffentlichkeit. Die öffentlichen Bars dominierten zu Beginn des 20. Jahrhunderts das gesamte Kaffeegeschäft: den Handel, das Rösten und den Konsum. Riesige Maschinen erzeugten den nötigen Druck, um einen Espresso herzustellen. Die Erfindung der „Moka Express“ war eine Revolution. Denn nun gab es erstmals richtige italienische Kaffeemaschinen, die man in der eigenen Küche verwenden konnte.

Zudem war der öffentliche Kaffeekonsum Anfang des 20. Jahrhunderts den Männern vorbehalten, die den Kaffee außerhalb ihres Zuhauses tranken. Der einsetzende Kaffeekonsum der Frauen war auch ein Zeichen und eine Auswirkung ihrer Emanzipation.

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Italienische Kaffeemaschinen als Zeichen der Moderne

Seit dem 19. Jahrhundert hatten Ingenieure versucht, Kaffee mit Dampfmaschinen herzustellen. Ihr Ziel bestand darin, einen starken Kaffee sehr schnell herzustellen. Eine der Kaffeemaschinen aus dieser Zeit hatte tatsächlich die Form einer Lokomotive. Darin zeigt sich, dass das Kaffeekochen als etwas Modernes wahrgenommen wird – wie das moderne Reisen.

Der Einzug der „Moka Express“ in den Alltag der Italiener war Ausdruck ihrer Sehnsucht nach Modernität, sagt Jeffrey Schnapp, Professor an der Harvard University. Aus seinem Artikel mit dem Titel „Die Liebesbeziehung von Koffein und Aluminium“ zitiert der amerikanische Blog  I Need Coffee:

„[Der im Kaffeehaus gekochte Kaffee] war voller Kraft, intensiv und wurde schnell konsumiert. Er übertrug die Werte der Effizienz und des Vergnügens im Zusammenhang mit Schnellzügen in ein alltägliches Getränk. Im Vergleich zum Espresso im Café war der heimische Kaffee eine langsame und blasse Nachahmung.“

Denn Bialettis Erfindung funktionierten die heimischen Kaffeemaschinen ganz ohne Kraft und Druck. Wie die noch heute in Deutschland üblichen Maschinen ließen sie einfach kochendes Wasser langsam über das Kaffeepulver laufen. Diese lasche Zubereitung widersprach dem modernen italienischen Zeitgeist des frühen 20. Jahrhunderts.

Das von Alfonso Bialetti geschaffene System zum Kaffeekochen kam der italienischen Sehnsucht nach Modernität entgegen. Es machte auch den heimischen Kaffee kraftvoll und modern. Denn der Espressokocher „Moka Express“ erzeugt nicht nur viel Druck, sondern ist auch aus dem damals sehr populären Material Aluminium. Aluminium galt als Zeichen der Modernität und des kreativen italienischen Handwerkers.

Die geniale Erfindung des Alfonso Bialetti

Im Jahr 1918 startete Bialetti seinen eigenen Maschinenladen in der Stadt Omegna-Crusinallo. Diese liegt in Piemont, einer Region Italiens, die seit dem ersten Weltkrieg als ein Zentrum für die Herstellung von Haushaltswaren aus Metall galt. Zuvor hatte Bialetti in Frankreich in der Aluminiumindustrie gearbeitet.

Alfonso Bialetti

In den 20er Jahren beobachtete Alfonso Bialetti die von den Frauen benutzten Waschmaschinen. Dabei wurde die Wäsche in Wannen gekocht, die in der Mitte ein Rohr hatten. Dieses Rohr saugte das Seifenwasser auf und verteilte es über die Wäsche. Dieses Prinzip wollte Bialetti auf die Konstruktion einer Kaffeemaschine übertragen.

Nachdem er viel probiert und eine Reihe von technischen Problemen gelöst hatte, erfand Bialetti im Jahr 1933 die „Moka Express“. Die Form seines Espressokochers war in Form und Design ähnlich dem silbernen Kaffeegeschirr, das in den wohlhabenden Familien beliebt war. Bialettis Kaffeemaschine war einfach und klein, aber dennoch in der Lage hohen Druck zu erzeugen.

Zudem war die Verwendung der „Moka Express“ so einfach, dass man dazu „keinerlei Fähigkeiten braucht“ und nun „zuhause einen Kaffee wie in der Bar“ genießen kann, wie Bialetti sagte. Seine neuartige italienische Kaffeemaschine war so genial, dass sie auch 80 Jahre später kaum verändert worden ist. Sie ist noch immer die beliebteste Kaffeemaschine Italiens.